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TdV Aktuell 25.11.2017 - 00:09
 
15.01.2001 Bericht über Christoph Trauth´s Alfred Premiere







Wie fühlt sich wohl ein Castmitglied, das aus seinen angestammten Ensemblerollen herausgerissen wird und auf einmal als Zweitbesetzung Alfred im Rampenlicht stehen soll. An Stelle von Christoph Trauth hätte ich mich alles andere als gut gefühlt, denn das Gefühl kann nur äußerst bescheiden sein. Auch wenn man die neue Rolle tausendmal geprobt hat und das Put-In hinter sich hat, so ist es doch wahrscheinlich eine ganz neue Erfahrung und Belastung, das erste Mal vor Publikum die Rolle zu spielen, die Polanski selber im Film spielte.

Um Punkt 19:00 Uhr erklangen dann auch die ersten Takte der Ouvertüre und als der Vorhang transparent wurde gab es für Christoph kein zurück mehr – er war Alfred an diesem Abend! So souverän, wie man bei seiner ersten Show in dieser Rolle eben sein kann, spielte Alfred den schüchternen und manchmal ängstlichen Assistenten von Professor Abronsius. Gerade das schüchterne und dem Professor hörige hat Christoph in meinen Augen besonders gut rübergebracht. Und der finstere Blick von Rebecca, wenn er Magda hilft das heruntergefallene Gemüse aufzusammeln, lässt ihn glaubhaft und überzeugend in sich zusammenzucken. Nuancen, die mir bis heute so noch nicht aufgefallen sind – toll!

Der erste Akt ging dann – wie sollte es anders sein – mit der Begegnung von Alfred und Herbert zu Ende...ich habe noch nie jemandem gesehen, der sich beim Anblick von Herbert so an seiner Tasche festkrallt.....wie schon erwähnt, der Charakter des Alfred ist hier at it´s best umgesetzt.

Nachdem Alfred sich im zweiten Akt ja erst mal in seinem Bett ausruhen darf, während der Alptraum um ihn herum passiert, geht es in der Gruftszene wieder richtig los mit Arbeitseinsatz. Beruhigend zu wissen, dass man sich lieber noch einmal mit dem Ziehen am Sicherungshaken des Professors vergewissert, dass dieser auch richtig sitzt ,-). Nachdem der Hammer dann fiel (Auch Christoph brachte es nicht übers Herz, Krolock zu pfählen), folgten schon bald die Bücher und der Versuch Sarah im Badezimmer davon zu überzeugen, dass der Retter da ist. Nachdem auch Christoph eine Abfuhr bekam, konnte er bei „Für Sarah“ zeigen, welche Solistenfähigkeiten in ihm stecken. Eine tolle, wenn auch anfangs ungewohnte (weil tiefere) Stimme. Bald schon lockt ihn wieder der Ruf ins Bad und Herbert nimmt sich fürsorglich und liebevoll seiner an. Besonders interessant die Spiegelszene, weil hier ja praktisch neben Christoph noch ein „Neuling“ auf der Spiegelrückseite tanzt – Dominik Büttner, der neue Alfred Tänzer für Philip Ranson. Nach dem Motto zusammen sind wir stark, wurde auch diese Szene gemeistert. Nach der vermeintlichen Flucht vor Herbert durch den Saal, war der Fall auf die Bühne fast schon stuntreif.

Nach der nahenden Rettung in Form von Professor Abronsius ging es, wie achtmal die Woche, auf die Zinnen – Alfred teilte mit, dass Aliboris Spiegelreflektionstheorie korrekt gewesen ist und der Professor sprach: „Ich wünschte ich wäre dabeigewesen“ – hier wäre die Szene in der Regel zu Ende gewesen, wenn nicht Christoph den schönsten Versprecher des heutigen Abends kreiert hätte – er erwiderte: „Ich auch!“

Viel zu schnell – zumindest fürs Publikum – neigte sich der Abend dem Ende zu und beim Schlussapplaus konnte man auf der Bühne einen glücklichen und gelösten Christoph Trauth erleben. Nur verständlich! Wie Eingangs schon erwähnt, hätte ich heute nicht in seiner Haut stecken wollen. Nach der Show feierte Christoph mit Familie und Freunden die zu seiner Premiere zahlreich angereist waren.

Glückwunsch Christoph – die Feuerprobe ist bestanden, wir freuen uns auf weitere Alfreds mit Dir!

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