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TdV Aktuell 17.12.2017 - 11:56
 
09.12.2003 Bericht von der großen Galapremiere in Hamburg
Die Vampire haben angebissen


Jetzt beißen sie wieder, die Vampire. Hamburg schien schon seit Wochen im Vampirfieber und zählte die Zeit bis zum Anbiss. Kaum eine Tour war in Hamburg möglich, ohne sich den Blutsaugern zu begegnen. Ob am Taxi, im Hauptbahnhof oder an den Bussen der HVV, sie waren überall. Nicht zuletzt das Radisson SAS, Hamburgs höchstes Hotel hat sich bis Ende Januar ganz den Vampiren verschrieben, ziert sich mit Gebiss und Blutstropfen und propagiert über die gesamte verglaste Fassade die "Musicalhauptstadt Hamburg".





Neben der langen Liste der Premierengäste, die die Stage Holding zum mitfeiern eingeladen hatte, wurden auch viele bekannte Gesichter aus der Musicalszene gesichtet. Phantom Ian Jon Bourg führte mit Maike Switzer seine Christine ins Theater. Patrick Stanke reiste mit Maricel an und repräsentierte die Abordnung des Colosseum Theaters in Essen. Und er hatte sie doch dabei; Kevin Tarte, Graf von Krolock der Stuttgarter Produktion ließ es sich nicht nehmen den zahlreich anwesenden Fotografen noch einmal seine Vampirfänge zu präsentieren. Und was wäre eine Premiere ohne Uwe Kröger? Natürlich war auch er aus dem Theater des Westens in die Neue Flora geeilt.






Sieben Wochen haben sie hart geprobt und mit Roman Polanski gearbeitet, die 47 Castmitglieder, die in einer europaweiten Auditiontour ausgewählt wurden. Erst am 28. November 2003 haben Sie erstmals vor Publikum gespielt und in den folgenden 10 Tagen die Show noch mehrmals verändert und weiterentwickelt. Nun aber war der Moment gekommen, dem wohl alle entgegengefiebert haben – die Premiere in Hamburg. Roman Polanski selbst hatte am Vorabend über die Hamburger Cast gesagt: "I think, we have a terrific cast! The best cast ever, really!"





So hoch gelobt, hob sich um kurz vor halb sechs am Sonntag dann der Vorhang für den Tanz der Vampire in Hamburg. Allen Unkenrufen zum Trotz sind für die Hamburger Produktion keine Szenen aus dem Stück gestrichen worden. Viel Feinarbeit wurde aufgewandt um das Stück für Hamburg zu verfeinern. "Rockig, Kultig, Bissig", diesem Anspruch werden die Hamburger Vampire voll gerecht. Die Stücke sind rockiger geworden und in Hamburg ist es eine dominierende E-Gitarre die den zweiten Akt eröffnet.





Auch das Bühnenbild erfuhr eine Überarbeitung, sind die Platzverhältnisse in der Flora doch ganz anders als in Stuttgart. So ist das Wirtshaus, das für die Hamburger Hinterbühne zu tief wäre, nunmehr dreigeteilt. Technisch wie choreografisch ist dies allerdings so geschickt gelöst, dass kein Kenner der Stuttgarter Produktion befürchten muss, in Hamburg mit Stückwerk abgespeist zu werden. Neue Videoprojektionen schaffen überaus eindrucksvolle Effekte in den Übergängen. Auch in Hamburg – und sogar noch öfter - wird der Saal mitbespielt. Bis zur Reihe 14 geht es in die Arena des Theaters Neue Flora hoch, bis der rettende Quergang erreicht ist. Alfreds Flucht durch das Publikum steht also auch im Norden nichts entgegen.





Ein besonderes Highlight ist erst ganz kurz vor der Premiere in die Show eingebaut worden. Wurde der Schnee bislang ausschließlich per Projektor erzeugt, "schneit" es nun richtig im Saal. Ein toller Effekt und es braucht wirklich niemand in Sorge geraten, nass zu werden – versprochen!





Die Hamburger Vampire legten eine souveräne Premierenvorstellung auf die Bretter der Flora und überzeugten allesamt in ihren Rollen. Es war ein überaus harmonisches Zusammenspiel aller Beteiligten, das dann auch mit langen stehenden Ovationen des Premierenpublikums belohnt wurde. Gegen 22:30 Uhr wurde die Treppe ins Untere Foyer des Theaters Neue Flora dann zum Laufsteg für eine Cast, die so zufrieden strahlte, dass der Vergleich mit dem berühmten aber antiquierten Honigkuchenpferd so abwegig wirklich nicht ist.





Verdient hatten sie es sich zu dem Zeitpunkt allemal und gefeiert haben Sie bis in den frühen Morgen. In der Stadt hatten sich fleißige Hände daran gemacht, die Plakate mit dem Slogan "Anbiss am 7. Dezember" auszutauschen - ab sofort sieht man sich mit der Frage "Haben Sie schon angebissen?" konfrontiert. Ab Dienstag hat man achtmal in der Woche diese Gelegenheit und wer zuerst kommt, sichert sich die besten Plätze.

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