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TdV Aktuell 23.11.2017 - 13:05
 
06.10.2002 Ein schöner Spätherbsttag im September - oder:
Auditions bei Tanz der Vampire
















Es war ein schöner und sonniger Spätherbsttag im September – Im Tanz der Vampire Theater herrschte emsige Geschäftigkeit, wie es an einem Donnerstag durchaus üblich ist. Ein Stockwerk tiefer vor der Probenbühne sieht es jedoch an diesem Tage anders aus als sonst. Sehr viele junge Menschen sitzen auf dem Boden und lesen, unterhalten sich und aus einigen Zimmern hört man schon mittags Geräusche, die ganz eindeutig mit einsingen zu bezeichnen sind. Was passiert hier? Die Antwort darauf finden wir bei Kerstin Köhler vom künstlerischen Betriebsbüro. Kerstin sitzt hinter einem Tisch auf dem sich zahlreiche rosafarbene und hellblaue Karteikarten neben Bewerbungsmappen und Terminplänen stapeln. Schnell wird klar, dass hier die Auditions für Tanz der Vampire stattfinden. Da die meisten Künstler Jahresverträge haben, wird in der Regel einmal im Jahr nach frischem Blut für das Kultmusical von Roman Polanski gesucht. Aber wie läuft sie eigentlich ab – so eine Audition?

Der erste Schritt ist hier in Stuttgart immer Kerstin, die die Termine koordiniert, die Bewerber empfängt und dem Audition-Team die Unterlagen vorbereitet. Hier kommen auch wieder die Karteikarten ins Spiel. Jeder Teilnehmer füllt eine solche Karte aus, auf der in Kurzform seinen persönlichen Daten und Kontaktadressen stehen und, ob er Sänger oder Tänzer ist. Den persönlichen Touch erhält die Karteikarte dann noch durch ein Polaroidfoto, das in die Karte eingeklebt wird. Dann beginnt die Zeit des Wartens – Tänzer und Sänger werden nacheinander gecastet. Und da viele Bewerber sowohl singen als auch tanzen (was durchaus vorteilhaft ist), vergeht so schon ein Tag bis man mit beiden Castings durch ist.

Wenn man dann an der Reihe ist, findet man sich auf der Probenbühne vom Tanz der Vampire wieder. Dies ist eigentlich eher eine Turnhalle, die jedoch mit angedeuteten Elementen wie z.B. dem Wirtshaus versehen ist. Heute werden jedoch keine Ensembleszenen geprobt, sondern es wird vorgesungen. Am Flügel ist Boris Ritter der Mann, der die mitgebrachten Noten der Bewerber entgegennimmt und für die musikalische Untermalung des gewählten Stücks sorgt. Dann ist in dieser großen Halle noch der Tisch, an dem das Audition Team sitzt, welches innerhalb nur weniger Minuten entscheiden muss, ob der Bewerber in das Ensemble passen wird. Unter der Leitung von Simone Linhof (Casting Managerin der Stage Holding) sitzen am Tisch Cornelius Baltus (künstlerischer Leiter), Adrian Werum (musikalischer Leiter), Marc Bollmeyer (Dance Captain) und Liane Maynard (ass. Dance Captain).

Der Flügel erklingt und für Lampenfieber oder Prüfungsangst ist keine Zeit mehr – 3 bis 5 Minuten Zeit die Profis von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Meist bleibt es nach diesem ersten Durchlauf bei einem „Danke“ oder „thank you“. Dann beginnt die Phase des Wartens, ob und wie es weitergeht im Auditionkarussell. Wie professionell gearbeitet wird, zeigt sich aber auch während eines Castings auch immer wieder. Da wird ein Teilnehmer nach seinem Vortrag dann auch schon einmal gebeten, ein anderes Stück vorzutragen, welches um Tonlagen höher ist, um schon während des Castings herauszufinden ob der Bewerber möglicherweise ideal auf eine bestimmte Rolle des Stücks stimmlich passt.

Stuttgart war an diesem Tag aber nur der Auftakt, der das Audition Team einmal quer durch Europa führt. Hamburg, Essen, London, Stockholm, Göteborg und Mailand heißen die weiteren Stationen auf der Tour und am Ende bleiben nur wenige übrig. Wie hart die Auswahl ist zeigt sich in den zahlen, die Cornelius Baltus verrät. Von 50 Bewerbern bleiben oft nur 2 übrig, die in die zweite Runde, die so genannten Call-Back´s kommen.

Ende März 2003 sehen dann auch die Zuschauer die Erfolge der Auditions. Nach dem Castchange werden wir vielleicht ja diejenigen als Vampire on stage erleben dürfen, die an diesem schönen Spätherbsttag mit Lampenfieber im Gang saßen.

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