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TdV Aktuell 23.11.2017 - 12:39
 
03.05.2002 Interview mit Maik Klokow
Geschäftsführer der STAGE HOLDING Deutschland






Mit Spannung und gewisser Sorge beobachten wir die Entwicklung der Musicalbetriebsgesellschaften seit dem vergangenen Montag. Am Dienstag dann tat sich etwas mit der Übernahme des Operettenhauses in Hamburg durch die Stage Holding. Maik Klokow, langjähriger STELLA Mitarbeiter und seit 2000 Geschäftsführer der Stage Holding Deutschland stand uns für ein Interview zur Verfügung.

Herr Klokow – Sie waren bis 2000 insgesamt 10 Jahre bei STELLA beschäftigt und haben neben sehr vielen Höhepunkten und Herausforderungen die erste Insolvenz der STELLA als Betroffener miterlebt und wissen also, wie man sich fühlt. Ein paar persönliche Worte vielleicht?

Ein Unternehmen in und durch eine Insolvenz zu führen, ist für jeden Mitarbeiter dieses Unternehmens eine gewaltige emotionale und intellektuelle Kraftanstrengung. Neben den Auswirkungen negativer Art wie verzögerten Gehaltszahlungen, Ängsten um die Arbeitsplätze der Künstler und Mitarbeiter und dem Verlust von Reputation und Vertrauen im Markt bietet eine Insolvenz aber auch Chancen. Chancen für Charaktere und Chancen für eine gesunde Zukunft. Gerade in Krisen erkennt man, wer kämpfen kann und wer resigniert, wer bewusst handelt und wer die Übersicht verliert und nur versucht sich selbst zu retten. Eine Insolvenz ist eine Art Selbstreinigungsprozess. Eine Insolvenz zu durchlaufen ist eine Erfahrung, die man niemandem wünscht, die man, wenn man sie einmal erlebt hat, aber nicht mehr missen möchte. Ich hoffe, dass alle Mitarbeiter, die davon betroffen sind, diese Kraft und Stärke aufbringen werden.

Die STAGE HOLDING kann für die doch recht kurze Zeit des Marktauftrittes in Deutschland beachtliche Erfolge vorweisen. Wo liegt das Erfolgsrezept und was machen Sie anders als Ihre Wettbewerber?

Um ein Theaterunternehmen erfolgreich zu führen, bedarf es sehr viel Theatererfahrung, Internationaler Verbindungen, exzellenten Kontakten zu Künstlern, Kreativen und Produzenten, gründlichem Handwerkszeug, finanziellen Mitteln, einem Gespür für das Publikum und insbesondere Liebe zu dem, was man tut. Nur wer Theater liebt, kann im Theatermarkt erfolgreich sein.

In Hamburg wird „Mamma Mia“ der En-Suite Nachfolger von CATS werden. Das ist die gleiche Konstellation wie am Broadway, wo Mamma Mia Riesenerfolge feiert. Aberglaube, Absicht oder bot sich das Operettenhaus einfach an?

Das Operettenhaus Hamburg ist das Synonym für erfolgreiches Musical in Deutschland. Außerdem ist Hamburg und das Theater geradezu ideal für die Produktion „Mamma Mia ! – Das Musical“. Aber auch die besondere Referenz zum Broadway ist ein netter Nebeneffekt. Wir sind sicher, dass auch das deutsche Publikum diese Produktion in sein Herz schließen wird.

Die Insolvenz der STELLA böte eine Gelegenheit, die Expansionspläne Ihres Unternehmens zu forcieren. Halten Sie es für ausgeschlossen, dass Graf von Krolock bald für die STAGE HOLDING beißen wird?

Es ist sehr schwer vorherzusagen, wie eine zukünftige Musicallandschaft in Deutschland in drei bis vier Monaten aussehen wird. Ich mag Graf von Krolock. Also ist es auch nicht ausgeschlossen, dass er bei der Stage ein zu Hause finden könnte.

Wie haben die Mitarbeiter des Operettenhauses reagiert, als sie am Dienstag Abend davon erfuhren, dass nun die STAGE HOLDING die wirtschaftliche Verantwortung übernimmt und zudem alle ausstehenden Gehälter sofort gezahlt hat?

Die Mitarbeiter im Operettenhaus waren wie in allen Theatern der Stella sehr verunsichert. Die Besonderheit der Situation im Operettenhaus ermöglichte auch besondere Lösungen. Die Erleichterung darüber, dass man selber eine Zukunft hat und den persönlichen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann, war überwältigend. Dieser Abend war in meiner beruflichen Kariere der bisher größte Erfolg und schönste Moment. Erfolg nicht im Sinne von Umsätzen, sondern im Sinne von Willenskraft. Die Mitarbeiter der Stage Holding und des Operettenhauses haben einen Kampf gewonnen, der aussichtslos erschien. Die Verpflichtungen gegenüber den Banken waren erdrückend. Vier Tage und Nächte hat es gedauert, die Verhandlungen mit den Beteiligten zu einem zukunftsweisenden Abschluss zu bringen.

Dass dies nur eine „Insellösung“ sein kann, war allen Beteiligten klar. Gerne hätte die Stage Holding diese Nachricht auch in andere Theater gebracht, aber die Möglichkeit bestand leider nicht. Ich hoffe, dass sich für die restlichen Theater der Stella schnellstmögliche Lösungen finden lassen, die die Zukunft eines jeden einzelnen Mitarbeiter sichern.

In Ihrer Firmenphilosophie sprechen Sie von „Theater als Forum für Kunst, Unterhaltung und Begegnung.“ Zur Unterhaltung und Begegnung gehören „Fans“ einfach dazu. Wie stellt sich die STAGE HOLDING zum Thema Fans und Fanclubs ihrer Produktionen auf?

Fans sind ein erhoffter und gewünschter Multiplikator für unsere Theaterproduktionen. Sie transportieren den Erfolg und die Besonderheiten in einer solch hohen emotionalen Art und Weise, dass sie die besten Kommunikatoren für unsere Produktionen sind. Sie geben den Künstlern die Aufmerksamkeit, die diese verdient haben, über die normale PR-Arbeit hinaus und motivieren somit zu noch höheren und besseren Leistungen. Die Produktionen Elisabeth und König der Löwen verfügen über eine große Fangemeinde. Diese Kontakte werden in den Theatern gepflegt und unterhalten.

Abschließend die Frage – können Sie sich ein grobes Zeitraster vorstellen, bis wann STAGE HOLDING uns mit Neuigkeiten überraschen wird?

Die Gespräche mit den Verantwortlichen laufen bereits. Ob und wann es zu Ergebnissen kommt, ist sehr schwierig zu bestimmen. Stage Holding hat Interesse daran, zeitnahe Lösungen zu erarbeiten. Ich gehe momentan davon aus, dass die ersten Tendenzen in der ersten Juniwoche absehbar sind.

Herr Klokow, vielen Dank für das Interview – für die Zukunft wünschen wir Ihnen alles erdenklich Gute und eine ebenso geschickte Hand bei der weiteren Expansion der STAGE HOLDING .

Informationen zu den einzelnen Musicals der STAGE HOLDING - The Theatre Company sowie zum Unternehmen findet Ihr hier:
www.stageholding.de
www.loewenkoenig.de
www.elisabeth-das-musical.de
www.mammamia.de

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